|
Unterstützer_innen
Aufruf
Wir haben genug - genug zu tun!
Zehn Jahre...
In diesem Jahr findet der 21. antirassistische und antifaschistische Ratschlag Thüringen statt. Mehr
als 20 Jahre Austausch zu Gegenwart und Zukunft der antifaschistischen Bewegung, politische
Aufklärung und Erinnerung an die antisemitischen Novemberpogrome vom 9. November 1938. Für
zwei Tage, am 4. und 5. November 2011, laden wir zu Mahngang, Workshops und Konzert nach
Gera ein. Damit wird der Ratschlag nach zehn Jahren zum zweiten Mal in der ostthüringischen
Stadt organisiert. Anlass genug, um zurückzublicken, was sich in dieser Zeit getan hat, worin die
aktuellen Herausforderungen bestehen und welches zukünftige Handlungsstrategien sein können.
"Hinsehen statt Wegschauen! - Handeln statt Beschweigen!", so lautete der Titel des 11. Ratschlags
2001 in Gera. Seitdem wurden trotz Meinungsverschiedenheiten wichtige und positive
Entwicklungen ins Rollen gebracht. Wenige Monate nach diesem letzten Treffen wurden vor Ort
Antifa-Strukturen ausgebaut, Aktionen organisiert und Öffentlichkeit geschaffen. Im vergangenen
Jahr schließlich begann auch die Zivilgesellschaft sich neu zu organisieren und aktiv zu werden.
Erste Schritte, beispielsweise im Protest gegen die neonazistische Musikveranstaltung "Rock für
Deutschland", sollen vom Ratschlag aufgegriffen werden.
Baustellen 2011
Werfen wir einen Blick auf die Geschehnisse in der BRD, fallen mehrere Entwicklungen ins Auge.
Einerseits werden Neonazis noch immer in weiten gesellschaftlichen Kreisen geächtet und zwar in
Form eines kategorischen Tabus. Andererseits liegen Nationalismus, Rassismus, Antisemitismus
und Sozialchauvinismus neu verpackt mehr und mehr im Trend.
Kulturell und religiös wird die deutsche und in jüngster Zeit verstärkt auch die abendländische
Identität beschworen, Abweichungen werden durch Ausschluss quittiert. Wer "dazugehören darf"
und wer nicht, bestimmt, auch in der "weltoffenen Otto-Dix-Stadt-Gera", in der Regel noch immer
Hautfarbe, Geschlecht oder sozialer Status. So werden schließlich Migrant_innen und Hartz-
Empfänger_innen für Integrationsverfehlung und Haushaltsdefizit verantwortlich gemacht.
Gleichzeitig sehen sich Asylbewerbende tagtäglich mit Abschiebung, Internierung und
Residenzpflicht konfrontiert - an den EU- Außengrenzen, in der BRD sowie in Thüringen. Thesen à
la Sarrazin sind dabei nur politische Phrasen, deren vulgärer Ursprung in der sogenannten Mitte der
Gesellschaft liegt. Im Konkreten können Neonazis und NPD damit an vorhandene Feindbilder
anknüpfen und bis auf Landesebene Erfolge verbuchen. Von Neonazismus über dessen heimliche
Sympathisant_innen bis hin zu gesellschaftsfähigem Rassismus gibt es also einige Baustellen.
9. November - Tag der Trauer
Das Datum des Ratschlags ist kein zufälliges. Dieser Tag symbolisiert den Beginn des industriellen
und systematisch geführten Massenmordes an Jüdinnen und Juden in Europa - der Shoa. Es war der
erste und in seiner Dimension einzigartige wie beispiellose Zivilisationsbruch der Moderne. Folgen
wir dem Schwur von Buchenwald: "Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere
Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel", dann bedeutet
dies auch, dem deutschen Nationalismus in all seinen Facetten zu widersprechen. Insbesondere
dann, wenn der 9. November aufgrund des "Mauerfalles" gefeiert wird. Die Gleichsetzung des
Nationalsozialismus mit der DDR als zwei "dunkle Kapitel" deutscher Geschichte relativiert die
Shoa. Der 9. November ist kein Tag für nationale Feiern - er ist für uns ein Tag der Trauer, des
Erinnerns und der aktiven gesellschaftlichen Auseinandersetzung.
Vereint, entschlossen und was noch?
Wunsiedel, Halbe, Dresden und Jena sind nur einige Beispiele, die vom Erfolg antifaschistischer
Interventionen zeugen. Verschiedene Bündnisse, die gesellschaftlich breit aufgestellt sind, brachen
erfolgreich die Kontinuität dieser Neonazigroßaufmärsche. Dem entgegen stehen
Kriminalisierungs- und Spaltungsversuche durch Totalitarismusdoktrin, Extremismusklausel oder
die Einteilung in "gute und böse Demonstrant_innen".
Der von der schwarz-gelben Bundesregierung forcierte Vorwurf des politischen Extremismus
entbehrt nicht nur einer seriösen wissenschaftlichen Grundlage, sondern stellt auch eine Gefahr für
die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit rechten und menschenfeindlichen Ideologien dar.
Einerseits werden gesellschaftskritische Strömungen und Perspektiven als extremistisch denunziert
- Neonazismus und Rassismus werden dadurch relativiert und verharmlost. Andererseits wird
"Rechtsextremismus" als Randgruppenphänomen dargestellt und eine Auseinandersetzung mit
seinen gesellschaftlichen Ursachen unmöglich gemacht. Sowohl der Erfolg als auch die politischen
Kriminalisierungsversuche regen bündnisintern und gesellschaftlich Debatten an, die in Thüringen
zuvor ausgeblieben waren. Wohin die Reise geht, ist jedoch umstritten und soll diskutiert werden.
Gemeinsam...
Genug zu tun für die antirassistische und antifaschistische Bewegung, genug Themen für den
antifaschistischen Ratschlag Thüringen. Wir wollen mit euch solidarisch und kritisch zurückblicken,
diskutieren und nach vorn schauen, um unsere Arbeit gegen Rassismus, Antisemitismus sowie
Nationalismus und deren Ursachen gestärkt fortzusetzen.
Wir rufen alle - die dieses Anliegen teilen
- auf, sich am 21. antirassistischen und antifaschistischen Ratschlag am 4. und 5. November 2011 in
Gera zu beteiligen: vielfältig und entschlossen!
Unterstützer_innen:
Aktionsbündnis Gera gegen Rechts
Aktionsnetzwerk, Jena
Aufandhalt - Netz von Betroffenen rechtsextremer Gewalt und rassistischer Diskriminierung e.V.
BI BürgerInnen gegen Billiglohn in Thüringen
Bildungskollektiv Biko e.V., Erfurt
Bildungsreihe am Donnerstag, Gera
Bündnis 90/Die Grünen Thüringen
DGB Bildungswerk Thüringen e.V.
DGB Jugend Thüringen
DGB Thüringen
DIE LINKE. Thüringen
ezra - Mobile Beratung für Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt, Thüringen
filler. offens Jugendbüro der Gewerkschaftsjugend, Erfurt
Flüchtlingsrat Thüringen e.V.
Heidrun Sedlacik MdL, DIE LINKE.
Hintertorperspektive e.V.
IG Metall Jugend
JG-Stadtmitte Jena
Jugendbüro HASKALA Saalfeld
Jusos in der SPD Thüringen
Kapitalismuskritische & alltagspolitische Plattform gerainfo.noblogs.org - [AAG]
Katharina König MdL, DIE LINKE.
Kreis für linksradikale Initiative - [AAG]
Landesjugendwerk der AWO Thüringen
Landtagsfraktion DIE LINKE. Thüringen
Linksjugend ['solid] Thüringen
Medienkollektiv Vogtland
Mobit e.V., Thüringen
Naturfreundejugend Thüringen
Netzwerk für Demokratie und Courage Thüringen
offenes Jugendbüro RedRoxx, Erfurt
Peter Lückmann, Bündnis gegen Rechts Gera
Peter Metz MdL, SPD
Rosa Luxemburg Stiftung Thüringen
Roter Stern Gera
Sabine Berninger MdL, DIE LINKE.
SPD Thüringen
StuKo Bauhaus Uni Weimar
Thüringer Vernetzung der Bürgerbündnisse gegen Rechtsextremismus
ver.di Bezirk Mittel-/Nordthüringen
ver.di Bezirk Ostthüringen
ver.di Frauenrat Thüringen
VVN/BdA Thüringen
Wolfgang Lemb MdL, SPD
Offene Arbeit des Evangelischen Kirchenkreises Erfurt
Kampagne "Hände hoch - Haus her! Für ein selbstverwaltetes Zentrum in Erfurt!"
Margit Jung, MdL DIE LINKE
Dieter Hausold, MdL DIE LINKE
Andreas Schubert, Vorsitzende des Stadtverband DIE LINKE Gera
Kreisverband Gera von Bündnis 90/ Die Grünen
|