Startseite Aktuelles Programm Workshops Anfahrt Links Kontakt Presse Downloads

Presse


Presse-Echo vom 18. antirassistischen Ratschlag in Erfurt

Download als [pdf]

Pressemitteilung: 18. antirassistischer Ratschlag: Gemeinsame Weiterarbeit vereinbart

Download als [pdf]

Pressemitteilung: DGB Thüringen ruft zur Teilnahme am 18. antirassistischen und antifaschistischen Ratschlag auf

Download als [pdf]

Presseartikel Thüringer Allgemeine 06.11.08: Der Ratschlag kommt nach Erfurt

Download als [pdf]

Presseartikel TLZ 06.11.08: "Es geht uns nicht um eine heile Welt"

Download als [pdf]

**Ein Ratschlagender Bundesaußenminister*

Lokalnachrichten vom 6. November 2008 von Radio F.R.E.I. Nachhörbar unter:
http://www.radio-frei.de/index.php?iid=5.2&ksubmit_show=Artikel&kartikel_id=2122*

Bundesaußenminister und SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier wird sich heute Abend im Goldenen Buch der Stadt Erfurt eintragen. Anlass seines Besuchs ist jedoch das Hauptstadtgespräch mit Carsten Schneider im Audimax der Universität sowie die Bundesdelegiertenversammlung der Sozialdemokratischen Gemeinschaft für Kommunalpolitik in Thüringen. Leider haben interessierte Bürgerinnen und Bürger kaum eine Chance Bundesaußenminister Steinmeier persönlich zu hören, denn der Eintrag ins Goldene Buch in der kleinen Synagoge sowie die Bundesdelegiertenversammlung sind geschlossene Veranstaltungen. Lediglich das Hauptstadtgespräch ist öffentlich. Doch hier war eine Voranmeldung bei der Friedrich-Ebert-Stiftung nötig bei der nun alle Plätze belegt sind.
Am Samstag können sich Erfurts Bürgerinnen und Bürger dennoch aktiv über Politik informieren. Möglich macht das der 18. Antirassistische und Antifaschistische Ratschlag. Zahlreiche Workshops zum Thema Rechtsradikalismus, Ausländerfeindlichkeit und Antisemitismus werden in der Fachhochschule Erfurt angeboten. Bereits heute Abend beginnt der Ratschlag mit einem Mahngang von der Alten Synagoge zum Topf & Söhne Gelände. Morgen geht es dann mit einer Demo um 9.30 Uhr weiter. Treffpunkt ist die Synagoge am Juri-Gagarin-Ring 16. Von dort geht es bis zur Fachhochschule Erfurt wo es Vorträge und Diskussionen bis zum Mittagessen gibt. Ab 14.30 gibt es dann die Möglichkeit zahlreiche Workshops zu besuchen. Für Kinderbetreuung sowie das leibliche Wohl ist gesorgt. Weitere Informationen findet man unter www.ratschlag-thueringen.de sowie in den kleinen weißen Heftchen mit den magentafarbenen Punkt.

Ratschlag in Erfurt

Lokalnachrichten vom 6. November 2008 von Radio F.R.E.I. Nachhörbar unter:
http://www.radio-frei.de/index.php?iid=7&ksubmit_show=Artikel&kartikel_id=2120

Morgen, am 7. November, ist es wieder soweit. Der 18. Antirassistische und Antifaschistische Ratschlag beginnt. Um 19 Uhr startet die Veranstaltungsreihe mit einem Mahngang von der Alten Synagoge über das Rathaus, den Bahnhof bis zum Gelände der ehemaligen Firma Topf & Söhne. Woran sich dann ab 21 Uhr ein Filmabend im Besetzten Haus anschließt. Gezeigt wird der Film "Drei Tage im April" des deutschen Regisseurs Oliver Storz. Frank Lipschik, einer der Organisatoren des Ratschlags erklärt das Grundkonzept der Veranstaltung:
"Ganz lange bevor es die ganzen Bürgerbündnisse gegen Rechts gab, bevor es überhaupt staatliche Gelder dafür gab. Haben sich eben Leute schon Anfang der 90er Jahre zusammengetan, die gesagt haben: Wir wollen uns einmal im Jahr in Thüringen mit allen Leuten treffen, die sich gegen Rechtsextremismus, gegen Antisemitismus, gegen Rassismus engagieren. Und die Idee ist eben einfach wir wollen einen Tag haben wo wir uns zum einem inhaltlich beschäftigen. Deswegen gibt es am Samstag auch eine große Plenumsveranstaltung, wo wir Dr. Oliver Decker gewinnen konnten, der von der Uni Leipzig kommt und eine Studie gemacht hat wo es um rechtsextreme Einstellungen geht. Und es gibt 14 verschiedene Workshops. Sowohl für Leute die sich noch nicht so sehr mit dem Thema beschäftigt haben als auch Themen für Leute die länger mit dabei sind. Das ist sozusagen die eine Seite. Die zweite ist zu sagen: Es muss eine Form von Vernetzung und Austausch geben. Wir wollen uns treffen, wir wollen uns auch miteinander streiten, weil ja auch nicht alle die das organisieren immer in allen Punkten einig sind. Aber einmal im Jahr kommt man zusammen, trifft sich, tauscht sich aus und wir wollen natürlich auch nach außen treten und zeigen, dass Neonazis bei uns keinen Platz haben sollen und deswegen gibt es auch eine Demonstration. die am Samstag um 8.30 Uhr an der alten Synagoge beginnt und dann an verschiedenen Stationen der Erfurter Innenstadt halt macht und schließlich zur Fachhochschule in der Altonaer Straße führt wo um 11.30 Uhr dann die Eröffnung des Ratschlags stattfindet. Ab 14.30 werden dann diverse Workshops angeboten. Um 17.30 Uhr treffen sich dann noch einmal alle Teilnehmer und Referenten zum großen Abschlussplenum. Für kostenlose Kinderbetreuung ist gesorgt und auch Essen und Getränke werden erhältlich sein. Alle weiteren Informationen zum diesjährigen Ratschlag findet man in den kleinen weißen Heftchen mit dem magentafarbenen Punkt sowie unter www.ratschlag-thueringen.de.
(Johannes Smettan)

Gerhard Littmann wird auch beim Mahngang sprechen

Besuch ohne Bitterkeit (Thüringer Allgemeine - 06.11.2008)

Gerhard Littmann lebt seit über 60 Jahren in Chicago. Doch einmal im Jahr nimmt der heute 85-Jährige die beschwerliche Reise auf sich und besucht Erfurt, die Stadt seiner Kindheit.

Ihr Vater war ein angesehener Apotheker, seit 1928 besaß er die Mohrenapotheke. Doch nach vielen Diskriminierungen, judenfeindlichen Übergriffen und einem Boykott musste er sie 1935 zwangsverkaufen. Wie ist es Ihnen ergangen?

Auch ich habe unter der Diskriminierung gelitten. Noch nicht in meiner ersten Schule, der Schillerschule in der Schillerstraße. Da erinnere ich mich vor allem an die Zuckertüte. Dann kam ich in die Kasinoschule in der Meister-Eckehart-Straße, wo es noch nicht so um die Juden ging, wo wir aber unter einem sadistischen Lehrer litten. Ein kaisertreuer Kriegsveteran aus dem 1. Weltkrieg. Rohrstock, Gift und Hass - das habe ich dort erlebt. Als ich auf das Gymnasium Himmelspforte kam, hatten wir schon die Nazizeit, zum Schluss war ich der einzige Jude in der Klasse, der Lehrer hetzte die Kinder gegen mich auf. Glücklicherweise hatte ich Eltern, die mir halfen zu unterscheiden, was richtig ist und was falsch. Ich war 13, als wir gingen.

Waren Sie froh, als die Familie 1936 Deutschland verließ?

Zutiefst, ich war unendlich froh. Zwei Jahre lebten wir in Italien, dann gingen wir in die USA. Ich war dort später Sozialarbeiter, habe mich vor allem um Leute gekümmert, die Alkoholprobleme hatten, auch um Indianer. Ich habe geheiratet, wir bekamen zwei Kinder.

Wann haben Sie Erfurt dann wiedergesehen?

Das erste Mal noch zu DDR-Zeiten, ich war sehr enttäuscht. Alles war noch so grau wie in meiner Kinderzeit, nur viel mehr verfallen. Im Kaufhaus am Anger sah es trist aus. Ich wollte Leute aus der Kindheit wiedersehen, das wurde nicht erlaubt. Ich suchte unser damaliges Dienstmädchen, das wurde mir untersagt. Als ich um eine Fotokopie aus einem Erfurter Geschichtsbuch bat, hieß es, in zwei Wochen sei sie fertig. Ich hatte aber nur drei Tage Aufenthaltserlaubnis. Es waren Erfurter wie Monika Kahl, die mir halfen und mich auch in den Folgejahren unterstützten.

Seit der Wende kommen Sie regelmäßig?

Wenn ich meine jetzigen Reisen mit den Umständen vergleiche, unter denen wir Erfurt verlassen mussten. . . Nach mehr als 60 Jahren bekamen wir unseren Besitz zurück, das Haus meiner Eltern. Hier schaue ich nun nach dem Rechten. Für mich hat sich endlich ein Bogen geschlossen.

Ein besonderes Jahr war 1996.

In jenem Jahr hatte die Stadt Erfurt ehemalige jüdische Einwohner eingeladen. Ich kam mit meinem Bruder und habe viele Menschen aus meiner Jugend wiedergetroffen, die ich nie im Leben mehr gefunden hätte. Aus Israel, Brasilien, es war bewegend.

Sie nehmen morgen an der Ausstellungseröffnung im Landtag teil?

Studenten der Universität Jena haben sie in einem Forschungsprojekt vorbereitet. Ein Kapitel in der von Monika Gibas herausgegebenen Dokumentation zur Ausstellung ist meiner Familie gewidmet, meinen Eltern. Ich finde es deshalb wichtig, jetzt in Erfurt zu sein. Am 9. November jährt sich die Pogromnacht zum 70. Mal.

Die deutsche Sprache - tut es weh, sie zu sprechen?

Nein, ich spreche deutsch mit meinem Bruder. Die Sprache meinen Kindern beizubringen, soweit war ich damals nicht. Aber ich habe die Kinder in der Schule deutsch lernen lassen - im Gegensatz zu vielen jüdischen Familien, mit denen wir befreundet sind und die eine starke Aversion gegen die Sprache haben. Meine Mutter hat immer gesagt, was können denn Goethe und Schiller für Hitler.

Wenn Sie heute durch Erfurt gehen?

Bin ich ohne Bitterkeit. Die jungen Generationen kann man dafür nicht verantwortlich machen. Ich finde Erfurt wunderschön, jedes Haus sieht anders aus. Bei meinen Besuchen fühle ich mich sicher und wohl. Ich habe hier inzwischen nicht nur viele Bekannte, sondern auch gute Freunde.

Mit welchem Blick schauen Sie auf die Welt?

Als ich 1939 nach Amerika kam, fiel mir unangenehm auf, wie mit Schwarzen umgegangen wurde. Das hat mich berührt. Und noch heute ist es so, dass mir Diskriminierung, gleich wo sie stattfindet, unter die Haut geht. Seien es Indianer in Mexiko. Mönche in Tibet. Minoritäten in Tansania. Es gibt viele Menschen in der ganzen Welt, die aus allen möglichen Gründen diskriminiert werden. Und nach meinen Erfahrungen damals in Deutschland trifft mich das tief. Heute sind diese dran, morgen jene. Es wiederholt sich. Man lernt aus der Geschichte, dass man nichts aus der Geschichte lernt, hat Albert Einstein gesagt. Bitter, aber wahr.

Haben Sie in den USA vor Ihrer Reise gewählt?

Ja. Ich habe Barack Obama meine Stimme gegeben. Mit ihm wird sich hoffentlich etwas ändern. Gespräch: Birgit KUMMER
04.11.2008


Meldung DDP unter: http://www.ad-hoc-news.de/bersicht-Neu-Linke-Bndnis-gedenkt-in-Erfurt-der--/de/ Politik/19824788

Bündnis gedenkt in Erfurt der Opfer des Nationalsozialismus

Erfurt (ddp-lth) Ein Bündnis gegen Rassismus und Faschismus gedenkt am Freitag (7 November) in Erfurt mit einem Mahngang der Opfer des Nationalsozialismus Die Veranstaltung bilde den Auftakt des 18.antirassistischen /antifaschistischen Ratschlags in Erfurt.


Erfurt (ddp-lth). Ein Bündnis gegen Rassismus und Faschismus gedenkt am Freitag (7. November) in Erfurt mit einem Mahngang der Opfer des Nationalsozialismus. Die Veranstaltung bilde den Auftakt des 18. Treffens des «Antirassistischen und antifaschistischen Ratschlags» in Erfurt, sagte ein Sprecher des Thüringer Bündnisses am Mittwoch. Rund 150 Teilnehmer erwartet die Arbeitsgemeinschaft zu ihrem zweitägigen Treffen. Der Ratschlag habe in diesem Jahr Erfurt als Veranstaltungsort ausgewählt, um unter anderem auf die steigende Anzahl organisierter Neonazis in der Region aufmerksam zu machen.

Die Linksfraktion im Thüringer Landtag nannte den Ratschlag «ein wichtiges Podium für Menschen und Initiativen', die sich gegen Rassismus, Antisemitismus und Neofaschismus engagieren. Die Veranstaltung im Vorwahljahr in Erfurt durchzuführen, sei ein Signal sowohl für die Wähler als auch für die Landespolitik, sagte die Abgeordnete Sabine Berninger. In der Landeshauptstadt würden sich beispielsweise Neonazis zunehmend offensiver «als Biedermänner im Stadtbild präsentieren». Gleichzeitig nehme die Anzahl gewalttätiger Attacken gegen Migranten zu.

Der Ratschlag bietet den Angaben des Bündnisses zufolge Vorträge und Workshops beispielsweise zu den Themen «Rechtsextremismus in Gewerkschaft und Gesellschaft» sowie «Rechte Kapitalismuskritik» an. Das Bündnis ruft zudem am 8. November zu einer Demonstration gegen Diskriminierung, Rechtsextremismus und Antisemitismus auf. Die Demonstration soll an die Pogrome gegen Juden und jüdische Einrichtungen in der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 erinnern.

Ziel des Treffens, das erstmals 1991 stattfand, sei es unter anderem, Handlungsstrategien gegen Rassismus und Faschismus anzubieten.

(ratschlag-thueringen.de)

ddp/flb/iha